Ich habe Angst und mache es trotzdem

Ich habe Angst und Triumph Kind

In diesem Artikel lernst du:

  • Welchen Nutzen dir dein Angst-Gefühl bringt
  • Wie diese Emotion richtig nutzt
  • Und damit das Beste für dich erreichst

Ich habe Angst

Als ich 7 Jahre alt war, stahl mir Philipp jeden Tag meinen Ovomaltine Riegel.

Wir waren Freunde, wir tollten gemeinsam durch den Klassenraum und sobald es Mittag wurde, sagte er mir „Gib mir den Riegel“ und ich tat es.

Ich erzählte das meiner Mutter und sie sagte, ich müsse für meine Interessen einstehen:“Sag einfach nein.“, meinte sie. Um ehrlich zu sein, machte ich mir ernsthafte Sorgen, wie Philipp damit zurechtkommen würde. Vielleicht würde er mich verprügeln und vielleicht wären wir dann keine Freunde mehr.

„Fühle die Angst und dann mach was du glaubst.“, erklärte mir meine Mutter.

Ich ging also den nächsten Tag in die Schule. Der Unterricht war mir mehr oder weniger egal und ich bereitete mich geistig auf den kommenden Showdown zwischen mir und Philipp vor. Als die Glocke um 11:45 Mittag einläutete, stand Philipp bereits hinter mir. „Gib mir deinen Riegel“, sagte er.

Mein Herz raste und meine kleinen Hände zitterten.

„Nein“ sagte ich „ich gebe dir meinen Ovomaltine Riegel jeden Tag, es reicht.“

Philipp zuckte mit den Schultern und ging weiter. Ich konnte kaum glauben, wie einfach das war. Ich aß also meinen Riegel, den köstlichsten Riegel den Ovomaltine jemals hergestellt hatte.

Zuhause angekommen, wollte meine Mutter wissen, wie die Sache ausging. Ich ballte meine Faust und antwortete voller Stolz:“Ich habe mich durchgesetzt“

Umarme die Angst

Mit 7 Jahren war ich bedeutend ehrlicher als heute.

Ich konnte offen zugeben, dass ich mich fürchtete. Für mich war die Angelegenheit wichtig und das konnte ich so offen aussprechen. Ich musste nicht vorgeben, ein besseres Kind zu sein, das gerne teilte, indem ich Philipp meinen Schokoriegel einfach überließ.

Zwischen 7 und 16 änderte sich das grundlegend. Mir wurde beigebracht, dass ein Indianer keine Furcht kennt und man sich für seine Gefühle schämen müsse und es nur gerecht wäre meinen Schokoriegel mit Philipp zu teilen. Das scheiß ich drauf. Ich habe Angst und stehe dazu.

Später habe ich begriffen, dass der Lehrerin mein Schokoriegel und meine Person vermutlich am Arsch vorbei geht und sie einfach einen ruhigen Unterricht abhalten möchte.

Sehen wir als Erwachsene unseren Ängsten ins Gesicht, natürlich nicht, wir geben einfach vor, es wäre keine große Sache.

Wir fürchten uns nicht davor, eine Diskussion zu beginnen. Wir möchten einfach nicht egoistisch wirken. Wir scheuen uns nicht davor, in Konflikte zu führen, sondern möchten unnötigen Stress vermeiden. Wir haben keine Angst davor, neue Freunde zu finden, sondern die Zeit ist knapp und viele Veranstaltung schlicht langweilig. Wir sind keine Gesellschaft, voller seltsamer Einzelgänger, sondern haben einfach gern Facebook/WhatsApp/Instagramm auf unserem Smartphone.

Meine Mutter hat mir beigebracht, zu meinen Gefühlen zu stehen und zu sagen, was ich wirklich denke. Ich kann ruhig dastehen, tief Luft holen und voller Überzeugung aussprechen „Ich habe Angst und möchte das nicht tun.“, um es dann trotzdem umzusetzen.

Handle im Widerspruch zu deinen Gefühlen

Das ist eigentlich ganz einfach. Spürst du Angst, bist du auf dem richtigen Weg, du verlässt deine Komfortzone und bekommst ein flaues Gefühl im Magen. Was jetzt ? Ich habe Angst.

Wenn mir ein kalter Schauer über den Rücken läuft, sich mein Hals beginnt zu verschließen und mein Herz zu rasen beginnt, weiß ich eines ganz genau, ich muss das jetzt machen.

Es bedeutet schlicht, das du auf dem Weg bist, etwas Großartiges zu tun. Das kann der nächste Geschäftsabschluss, ein Vorstellungsgespräch, die nächste Beziehung oder der tolle Italiener an der Ecke sein. Du hast dich bisher einfach nicht getraut.

Die meisten Leute ziehen an dieser Stelle den Schwanz ein, laufen Nachhause, schließen die Fenster und warten auf bessere Zeiten. Und genau deshalb ist das Leben der meisten Menschen ein Haufen Scheiße. Wenn du 100 Frauen ansprichst, wird eine mit dir schlafen, einfach weil sie selber in diesem Moment gerade geil ist. Und wenn du 100 Menschen eine Versicherung verkaufen möchtest, wird sie der eine oder andere nehmen, eben weil er sie gerade braucht.

Der Unterschied zwischen blutigem Anfänger und der vollendeten Perfektion liegt darin, ob einer eine oder fünf aus hundert überzeugt. Das ist alles.

Über das Scheitern

Ein garantierter Erfolg existiert und jeder der etwas anderes erzählt lügt. Es gibt auf der Welt eben nicht nur Philipps sondern auch Kevins und Justins.

Philipp hat mit den Schultern gezuckt und Kevin hätte mir ins Gesicht treten. Und Justin vermutlich auf meinem Grab getanzt. Das liegt dabei nicht an mir, sondern an deren jeweiligen Persönlichkeitsstruktur. Sie verhalten sich anderen gegenüber nicht sonderlich anders.

Ich habe in meinem Leben auch schon Prügel bezogen und meine größte Überraschung lag darin, wie wenig es schmerzt. Einmal wurde ich von einem Auto angefahren und die Prellung der Wirbelsäure war nach zwei Wochen abgeheilt.

Erfolg stellt sich ein, aber vielleicht nicht sofort und Rückschläge gehören zum Leben. Kein Mensch wird daran gemessen, wie oft er hinfällt, sondern wie oft er aufsteht und weiter macht. Die Chancen sein Leben zu ändern, enden lediglich mit dem Tod und der ist in unserer heutigen Gesellschaft, lediglich in Altersheimen häufiger zu Gast.

Deshalb mache ich mir keine Vorwürfe, wenn sich Dinge nicht in meine Richtung entwickeln. Ich bin stolz getan zu haben, was ich für richtig hielt und an dieser Stelle endet es auch.

Mein Gedankenvorgang läuft dabei so ab:

„Ich habe Angst ? – Ja.“

„Mache ich es trotzdem ? – Ja.“

Und dann tue ich es, was immer auch kommen mag, ich habe meine Erlaubnis und meine Mutter wäre vermutlich stolz auf mich.

Zusammenfassung:

  • Den Satz „Ich habe Angst.“ auszusprechen ist wichtig und wertvoll.

  • Die besten Ergebnisse wirst du immer erzielen, wenn du an diesem Punkt weitermachst

  • Am Ende hast du nichts zu fürchten, außer der Furcht der selbst

  • Das Ergebnis kannst du nicht beeinflussen, dein eigenes Handeln hingegen immer