Die Fakten hinter der Befreiungsarmee Ksachstan

Um die Geschichte zu verstehen, müssen wir zurückreisen in das Jahr 2009. Der kasachische Tenge wurde das erste Mal abgewertet und das Drama begann. Zwei weitere Abwertungen sollten noch folgen, eine im Jahr 2014 und dann erneut 2015. Schließlich der Sargnagel, Kashagan, der letzte Elefant, eines der letzten verbleibenden Riesenölfelder und Hoffnung auf Kasachstans wirtschaftliche Zukunft.

Der erste Streich

Ankara Kocatepe Moschee

Ich treffe Yerik, ein Mitglied der kasachischen Gemeinde in Ankara und einen der wenigen glücklichen Empfänger des Nursultan-Naserbajew-Stipediums. Jedes Jahr schickt die Republik Kasachstan ausgewählte Studenten an 100 führende Universitäten weltweit, auf Staatskosten versteht sich. Die Universität von Ankara, genauer ihre internationale Fakultät mit Spezialisierung auf Fragen des Nahen und Mittleren Ostens ist eine davon.

Daneben jobbt er als Übersetzer, der Tenge hat 20 % seines Wertes verloren. „Ich übersetzte jetzt statt ins Russische ins Kasachische, das bringt einen höheren Stundensatz“ erklärt er mir gelassen. Seine Schwester und ihren Mann, hat es härter getroffen.

Die frisch verheirateten, Zuhause in Kasachstan sparen gerade auf ihre erste Eigentumswohnung, die Abwertung wirft sie zurück. Yerik kann das nicht erschüttern „Ab jetzt sparen sie eben in Euro, Immobilien werden ohnehin nicht in Tenge bewertet.“ Ab jetzt arbeiten einfach alle ein wenig härter.

Und der Zweite folgt sogleich

Madina habe ich eher zufällig kennengelernt, sie hat eines meiner Fotos auf dem russischen Facebook Äquivalent Vkontakte geliked, ich habe ihr geschrieben. „Vor kasachischen Frauen soll ich mich hüten“ hat mir Yerik gesagt, die Warnung war unbegründet. „Heute ist Nurusltan Narsabajew Tag.“ sagt sie und lächelt mir im gut gefüllten Kinosaal ins Gesicht.

Ich weiß bis heute nicht, wie sie das gemeint hat.

Jedenfalls wünsche ich noch heute, jeden den ich an diesen Tag treffe einen „Frohen Naserbajew Tag“.

Als die zweite Abwertung kam, war sie schon wieder zurück in Almaty. Die Stadt wurde am schwersten getroffen. Warteschlagen bildeten sich vor jeder Wechselstuben, der Wert des Tenge fiel und fiel, die Kurse des Dollars und Euros stiegen und stiegen.

Jede Minute, jeder Platz in der Warteschlage, war bares Geld und als die letzte Banknote ausgegeben war und die Rolläden der Wechselstuben hinunterfuhren, verwandelt sich die aufgestaute Wut in blanken Hass.

Vermutlich weiß heute nicht mal mehr jemand, wer den ersten Stein warf und die Ausschreitungen in Almaty begann. Die Regierung in Astana begann Truppen nach Almaty, dem wirtschaftlichen und kulturellen Herz Kasachstans zu verlegen und nach wenigen Tagen waren die Ausschreitungen eingedämmt.

Auch damals pflegte Madina noch zu lächeln.

Der dritte Streich

Im Zuge des Verfalls des Ölpreises begann zunächst der russische Rubel stark abzuwerten. Der fallende Rubel begann den Tenge mit in die Tiefe zu ziehen. Die kasachische Nationalbank versuchte dagegen zu halten, so gut sie konnte und vor allem so lange sie konnte.

Ein Kampf den sie letztlich nicht gewinnen konnte. Das Profitdenken der Geschäftsleute war zu stark, man konnte Waren im benachbarten Russland günstiger einkaufen nach Kasachstan einführen und gegen wertvollere Tenge absetzen. Ein rentables Geschäftsmodell, solange es die Nationalbank mit ihren Devisenreserven fütterte.

„Es wird zu keiner erneuten Abwertung der Nationalwährung Tenge kommen.“ versprach der damals amtierende Präsident der kasachischen Notenbank und er sollte sein Wort halten.

Der Tenge wurde kein drittes Mal abgewertet, vielmehr wurde es den Kräften des freien Marktes überlassen seinen “wahren Wert” zu finden. Die Resultate übertrafen alles bisher dagewesene. Die Kräfte des freien Marktes prügelten des Kurs des Tenge von 150 Tenge pro Euro auf 200 dann 300 dann 350. Vermutlich kann heute kaum noch wer sagen, ob die Regierungen diesmal besser vorgesorgt hatte oder die Leute schlicht keine Tenge mehr besaßen.

Vielmehr sorgte mich, dass Madina weit seltener lächelte.

Der Sargnagel

Производственный остров Дю

kapital.kz – http://kapital.kz/economic/21806/na-kashagane-vozobnovili-dobychu-nefti.html CC BY-SA 3.0


Erdöl ist ein knappes Gut und zwar viel knapper als der Preis es gemeinhin vermuten lässt und Kasachstan hat jede Menge davon und noch viel wichtiger, Kasachstan hat jede Menge davon an ein und demselben Ort, ein sogenanntes Elefantenfeld.

Das Kaschagan Ölfeld im kasachischen Teil des kaspischen Meer gleicht, im Vergleich zu anderen Funden eher, einem weißen Elefanten und vielleicht ist es auch das letzte seine Art. Allerdings hat das Kaschagan-Feld ein Problem, es fördert nämlich kein Öl, schon seit Jahren nicht.

Die Winter sind hart in Kasachstan und die Sommer sind heiß. Die Temperaturunterschiede sind mehr als die Rohre verkraften können, das Salzwasser tut sein übriges. Da steht er nun, der stählerne Riese, Ursache all des Elends und der Not – Kaschagan. Anstatt Geld einzubringen kostet er Geld. Die großen Ölkonzerne werden ungeduldig, wollen ihre Investionen zurück.

Geld das eben irgendwoher kommen muss und als Einnahmen in der Staatskasse fest eingeplant sind. Und dann gibt es noch ein Problem, Kaschagan leckt und nämlich direkt in die Leichgründe des Beluga-Störs.

Was steckt also dahinter ?

Es scheint der gesammelte Unmut, aus drei Währungsabwertungen und den zerstörten Fischgründen am Ufer des kaspischen Meeres. Gleichzeitig verstehe ich, wieso die kasachische Regierung handelt, wie sie handelt und lehne jede Art von Terrorismus ab.

Im Grunde möchte ich nur, dass Madina wieder lächelt.

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