Blick auf Izmir

Ein Gastkommentar von Suat Bakir

Einen Verband von, nach eigenen Angaben, ca. 900 Vereinen bzw. Moscheegemeinden, kann man nicht so einfach zerschlagen.

Sie könnten die Anerkennungen als Religionsgemeinschaften und Staatsverträge verzögern (wem hilft’s)…

Sie könnten künstliche Institutionen schaffen und diese privilegieren, wie sie es beim Alewitischen Religionsunterricht machen oder beim Fernsehrat des ZDF, wo Migranten in Deutschland durch den Vorsitzenden der sog. Kurdischen Gemeinde vertreten werden (wem hilft’s)…

Sie könnten die Einreise bzw. den Aufenthalt der Import-Imame verweigern, wobei sie das bei allen Verbänden machen müssten, der Bedarf jedoch nicht in Deutschland gedeckt werden kann und der Gang zum Bundesverfassungsgericht obligatorisch wäre und die Integration nicht nur um 55 sondern um 80 Jahre zurückgeworfen wäre (wem hilft’s)

Deshalb, nicht den Kopf in den Sand stecken und passiv darauf warten, was der Staat mit einem macht, vielmehr aktiv werden.

Weder die DITIB, noch IGMG, VIKZ, ATIB oder andere sind im 21. Jahrhundert noch eine von der ersten Gastarbeitergeneration gegründeter Verein, um Hinterhofgebetsstätten anmieten zu können. Es sind große und wichtige Institutionen, auf die man nicht herabschaut, diese schauen immer noch auf, sind passiv und reagieren nur. Sie müssen baldigst einen Generationswechsel vornehmen und sich professionalisieren.

Da wird der Staat auch entsprechend reagieren. Der Staat leidet sehr darunter, dass Vereine mit marginaler Vertretungslegitimation bzw. deren Sprecher ihre aktiven Ansprechpartner sind und er seit Jahren nicht vorwärts kommt.

Die Aufregung in Medien und Politik ist künstlich. Dass die DITIB ihre Imame aus der Türkei holt, ist weder neu, noch gibt es Alternativen. Auch ist seit Jahrzehnten bekannt, dass der, nach Vereinsrecht gewählte, Vorstandsvorsitzender des Dachverbandes gleichzeitig Botschaftsrat in Berlin ist.

Seit Jahrzehnten hatten sich alle damit arrangiert oder abgefunden.

Warum jetzt die Aufregung? Es ist unverkennbar, dass sich die DITIB als Dachverband und als örtliche Vereine sich haben in den letzten Jahren politisieren lassen, sich haben politisch instrumentalisieren lassen für die Politik in der Türkei.

Und das, wie sollte es auch anders sein, zugunsten der zur Zeit Regierenden in der Türkei.

Und das ist meiner Einschätzung nach der Auslöser für die Aufregung der letzten Monate.

Die Abhängigkeit von der DIYANET und somit aus Türkei gänzlich abzuschaffen ist illusorisch. Es ist aber möglich wieder auf ein Niveau wie in den Jahrzehnten zuvor zu kommen. Dass sich Türkeistämmige und ihre Verbände mit der Türkei solidarisieren, kann man nicht verbieten.

Staat und Gesellschaft sollten sich zwei Fragen stellen: schadet es deutschen Interessen und wenn ja, wo liegen die Ursachen, dass ich Türkeistämmige mehr für die Politik in der Türkei als in Deutschland interessieren.

Der Ball ist trotzdem bei der die DITIB und den anderen Verbänden. Reformkonzepte liegen sicherlich in den jeweiligen Schubladen. Diese sollten aktiv und mit professionellen Teams der Gesellschaft, der Politik, dem Staat und insbesondere professionell in den Medien vorgestellt werden.

Das ist aber einen in den jetzigen Verbandsstrukturen unmöglich, wo fast ausschließlich Theologen mit fast ausschließlich kaum Erfahrung in Verbandsführung Vorstandsposten innehaben. Man kann davon ausgehen, dass sich die Strukturen nicht von innen heraus ändern werden.

Um die Zukunft zu Gunsten, der, nicht nur Türkei stämmigen Moslems, des gesellschaftlichen Zusammenlebens und dem Verhältnis Staat und Religionsgemeinschaft neu und besser zu gestalten, wird Hilfe aus Ankara nötig sein.

Warum so pessimistisch?

Der Autor twittert unter @suatbakir

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