islam praktizierenPrinzipiell gibt es zwei Arten den Islam zu praktizieren. Dabei handelt es sich, um den Weg von der linken bzw. dem Weg der rechten Hand.

Der Weg von der Rechten Hand (Weg der Gelehrten) ist das Studium der heiligen Schriften, dem Halten der Gebote und die Unterwerfung des eigenen Ichs unter den Willen Gottes.

Hingegen meint der Weg der linken Hand (Weg der Sufis) die direkte Gotteserfahrung und Vergöttlichung des Menschen.

Die Geschichte von Al Ghazzali

So schreibt der Islam Gelehrte Al Ghazzali in seiner Autobiographie „Der Erretter aus dem Irrtum“

Ich wusste mit Gewissheit, dass die Sufīs diejenigen sind, die auf dem Wege des erhabenen Gottes voranschreiten, besonders weil ihre Lebensweise die beste aller Lebensweisen, ihr Weg der richtigste aller Wege und ihre Gesinnung die reinste aller Gesinnungen ist.“

Um das zu verstehen, müssen wir etwas über die menschliche Anatomie und die Lebensgeschichte Al Ghazzali wissen.

Ghazzali war Professor an der Madrasa von Bagdad, damals höchstrangiger Islam Gelehrter seiner Zeit und politischer Berater des Sultans. Er gab seine Position, seine Titel und seinen Wohnsitz in Damaskus auf, um sich auf mystischen Weg des Islams zu begeben und dem Weg des Sufismus zu folgen. Das Ghazzali vor allem unter Gelehrten zu einer sehr umstritten Figur, die ihre Entscheidung aber niemals bereute und in zahlreichen Werken wie „Der Erretter aus dem Irrtum“ oder „Das Elixier der Glückseligkeit darüber berichtete.

Das ist nur verständlich, wenn wir wissen, dass wir alle sowohl über eine rechte als auch eine linke Gehirnhälfte verfügen, die grundlegend anders funktionieren. Während sich unser logischen und sprachlichen Fähigkeiten in der linken Gehirnhälfte bündeln, ist die Rechte Gehirnhilfe Sitz unser kreativen, spirituellen und emotionalen Fähigkeiten.

Von den beiden Gehirnhälften

Je nachdem, ob die linke oder die rechte Gehirnhälfte in unserem Wesen überhand gewinnt, entwickeln wir einer völlig unterschiedlichen Blick auf die Welt, der letztlich auch bestimmt wie wir Islam praktizieren.

Ein eindrückliches Bild davon liefert der New York Times Bestseller „My Stroke of Insight“, der amerikanischen Neurowissenschaftlerin Jill Bolte Taylor. Dr. Taylor erlitt einen Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte. Das führte dazu, dass die rechte Gehirnhälfte Überhand gewann und sie eine vollständig neue Sicht auf sich selbst, ihr Leben und ihre Umwelt gewann.

Solche Ereignisse sind auch, wenn nicht in dieser Dramatik nicht sonderlich selten und werden entsprechend entweder als spirituelles Erwachen oder Damaskus Erlebnis bezeichnet.

Entsprechend lässt sich der Islam praktizieren in dem man entweder den Weg der Schrift oder der Gotteserkenntnis geht. Das eine nennt man Scharia („also Quelle“) während man den anderen Weg als Tariqua (übersetzt Pfad) bezeichnet.

Der Streit der Propheten Moses und Al Chidr

Ein Vergleich der beiden Strömungen findet sich, in der Geschichte von Moses und einer Figur die man „Al-Chidr“ den Grünen nennt. Moses der große Gesetzgeber des Volkes Israel, da am Berg Sinai die 10 Gebote empfangen haben soll, wendet sich mit der Frage an Gott ob es jemanden gäbe der mehr über die Gebote Gottes wisse als er selbst.

Und Gott antwortet, „Ja, den gibt es.“ Auf die Frage wie er diesen Menschen finden könne. Antwortet Gott, er solle sich mit einem Fisch als Proviant auf den Weg Richtung Westen machen. An der Stelle, an dem er den Fisch verliere, würde er bereits auf ihn warten.

Das besondere an Al-Chidr ist, dass er 3 übermenschliche Fähigkeiten besitzt, die den Weg des Sufis ausmachen.

  • das Wissen über die Zukunft
  • übermenschliche Stärke und Kraft
  • sowie die Fähigkeit große Distanzen in extrem kurzer Zeit zu überwinden

So sagt man Al-Chidr nach, man müsse nur seinen Namen erwähnen und er befinde sich schon mit einem im gleichen Raum. Das Interessante an der Geschichte ist, als ich meine Hoca fragte, ob ich dann nicht Al-Chidr als Moses und der Schrift folgen sollte antwortete er mir „Nein, dein Weg ist der Weg von Moses und nicht von Al-Chidr“.

Islam praktizieren

Offizielle Vertreter des Islam mögen den Sufismus sehr oft nicht sonderlich, weil er ihre Autorität grundsätzlich in Frage stellt. Ein bekanntes dafür ist der Versuch der Einführung der Druckerpresse im Osmanischen Reise. Die Geistlichkeit sprach sich entschieden gegen die Einführung der Druckerpresse aus, da sie, um ihre Vormachtstellung auf das Wort Gottes fürchtete, sodass der Buchdruck erst im späten 19. Jahrhundert in Istanbul Fuß griff.

Deshalb möchte ich kurz die Unterschiede zwischen einem Imam und einem Sufi darlegen

Ein Imam wird ernannt. Diese Ernennung erfolgt durch die sogenannte Idschaza oder Lehrbefugnis eines anerkannten islamischen gelehrten. Entsprechend erhält der Imam seine Autorität faktisch von Amtswegen während das bei einem Sufi grundlegend anders funktionieren.

Ein Sufi kann zwar bei einem Sufi-Meister in die Lehre gehen, dass sich sehr oft zu einer intensiven Schüler-Meister Beziehung formt erhält seine eigene Berufung allerdings von Gott bzw. einer Stimme in seinem Herzen und schöpft seine Autorität aus seinem persönlichen Charisma und der Anerkennung der anderen.

Eine Moschee finanziert sich aus den Beiträgen ihrer Mitglieder oder wird in manchen Ländern schlicht vom Staat finanziert. So handelt es sich bei türkischen Imame überwiegen um Beamte des Staates. Ein Sufi erhält seine Mittel als freiwillige Spende bzw. aus seinem eigenen Beruf.

Abu Bakr

Als ruhmreiches Vorbild kann vielleicht der 1. der Kalif Abu Bakr gelten, der zwar Kalif der ersten Umma war aber eine Bezahlung dafür ablehnte. Vielmehr verdiente er sich ein Zubrot damit die Ziegen seiner Nachbarn zu melken.

Das entscheidende Ritual des Imams oder Vorbeters ist das Gebet, während im Zentrum des Sufismus das ältere Dhikr-Ritual steht, eine Art Meditation steht.

Der Weg des Sufi

Zeigen soll dies vielmehr, dass der Schrift-Islam in erster Linie eine Unterwerfung des Gläubigen unter die Schrift fällt. Während der Sufi die Vereinigung mit der Göttlichkeit darstellt. Der Sufi Schüler muss dazu die 4 Tode sterben und als Sufi-Meister wiederaufzuerstehen

Dazu gehört

  • Der Verzicht auf Besitz
  • Der Verzicht auf Sexualität
  • Der Verzicht auf Essen und Trinken
  • Der Verzicht auf sozialen Kontakt

Erst wenn der Schüler, diese 4 Tode überwinden hat, kann er als Meister mit neuen Fähigkeiten wiederauferstehen. Und das sind eben jene Fähigkeiten die wir bei Al-Chidr nach Aussagen des Korans beobachten können.

  • Visionen und Einsichten über Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zu erlangen
  • Menschen, Tiere oder Gegenstände durch den eigene Willen zu beeinflusse
  • sowie die Fähigkeit zu außer körperlichen Reisen

Diese Fähigkeiten sind in zahlreichen Sufi-Geschichten, sowie Überlieferungen der Sufs festgehalten. Und an dieser Stelle wird beginnt der Konflikt insbesondere mit extremeren Gruppierungen innerhalb des Islams. Manchen sehen Sufismus als Shirk oder Sünde, da es die Fähigkeiten der Magier sein.

Dem entgegen der Sufi mit, nein das Tauhid (die Einheit mit Gott) den alle Macht geht immer nur von Gott aus.Gott kann dem Menschen seine Geschenke gewähren oder verweigern kann und genau das ist, was ich mit Islam praktizieren meine.

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