Moderne islamische Kleidung Mädchen

Moderevolution in der Türkei

Ich liebe Istanbul und am meisten liebe ich an der Stadt das Meer. Die Bosporus-Tour war mir ehrlich gesagt immer etwas zu lang aber in den  Dolmabahçe-Palast habe ich mich verliebt. Umso erfreuter war ich daher, dass sich Istanbul in das weltweite Zentrum für moderne islamische Kleidung verwandelt.

Die osmanische Wiedergeburt

Die Modells sind dünn mit heller, slawischer Haut, die so weiß ist, wie sie nur weiß sein kann. Aus den Lautsprechern tönt marokkanische House Musik. Genau so gut könnte man auch in Paris oder London sein, doch vielmehr ist die Istanbul Modest Fashion Week ein Zeichen dafür das es wiederkommt, das osmanische Reich. Das ist ein offenes Geheimnis in der Türkei. Die Sehnsucht ist groß nach den glorreichen, vergangen Tagen des osmanischen Imperiums.

Die Osmanisch Kurse boomen, eine Sprache die niemand mehr spricht. Gleichzeitig füllen sich die Straßen von Berlin, Kreuzberg und Duisburg Marxloh mit ihren Emblemen. Immer mehr sieht man die Fahnen des Sultans in Fenster und durch die Heckscheiben von Automobilien ragen. Süleyman der Prächtige, Muhteşem Yüzyıl (Das prächtige Jahrhundert) zu einer der beliebtesten Serien im türkischen Fernsehen.
Moderne islamische Kleidung

Das sich etwas ändert ist mir das erste mal in Adana aufgefallen. Ich war eingeladen in die Ferienwohnung eines kurdischen Freundes. „Hätte ich dir das auf Kurdisch gesagt, hätten sie uns schon verhaftet“ scherzt er mit mir „Aber keine Sorge, ich habe das Auto in Ankara angemeldet, die werden uns für Politikerkinder halten.“

Es ist Çocuk Bayramı, die Universität ist geschlossen und die Kantine dort ohnehin fürchterlich.
Wir fahren 500 km landeinwärts von Ankara nach Adana, eine andere Gruppe fährt nach Antalya. Es ist eine Privatuniversität, nur reiche Studenten, sie fahren bessere Autos als die der Professoren.

Einmal werden wir auf dem Weg von der Polizei angehalten, Militärpolizei – Gendarmerie. Ein Blick auf das Kennzeichen, einer auf die Papiere und wir fahren weiter. Mein Freund hatte Recht, das Kennzeichen aus Ankara war eine gute Entscheidung. „Mit dem Kennzeichen aus Diyarbakır bekomme ich nur Probleme.“, vermutlich hat er Recht.

Istanbul Style

Wer von Ankara nach Adana kommt betritt eine neue Welt. Adana ist nicht die Türkei, Adana ist der Orient. Das erste was mir auffällt sind die Bärte der Männer und die klassischen Sunna-Hosen, das islamische Erwachen hat begonnen. Es dauert bis es sich von Osten über den Rest des Landes verteilt.

Die Teilung des Landes ist nirgends so offensichtlich wie in Istanbul. Ein anderes Stadtviertel bedeutet eine andere Welt und in der 12-Millionen Metropole gibt es viele Stadtviertel. Während im noblen Galata noch französische oder italienische Schnitte kopiert werden sind bei der Masse mit Mavi Jeans bereits türkische Designer erste Wahl. Und in Sultan Ahmet öffnen immer mehr Läden für moderne islamische Kleidung ihre Türen. Ich mag deutsche Großstädte nicht. Deutsche Großstädte sind mir viel zu geordnet. In Istanbul herrscht das blanke Chaos.

Und das ist Istanbul Style. Wenn ich Frauen rieche, die ihr Parfum vermutlich in der Einliter-Flasche kaufe, bunte Kopftücher und Simit Verkäufer treffe, die mir eine extra günstige Ferienwohnung vermieten wollen, weiß ich, ich bin Zuhause.

Ich gehe also in das Geschäft für moderne islamische Kleidung. Die einzige Angestellte und Inhaberin ist türkisch offen und wir kommen ins Gespräch „Mit Kopftuch ist es unmöglich eine Arbeit zu bekommen.“ sagt sie mir „Also habe ich mir überlegt, wie ich es stylischer machen kann.“ Daraus ist dann dieser Laden geworden.

Die Leute sind optimistisch in Sultan Ahment, Präsident Erdogan ist einer von ihnen. „Er kommt von ganz unten.“ sagt sie mir. Die Türkei ist ein islamisches Land und das werden ihr die Kemalisten vermutlich niemals verzeihen.

Moderne islamische Kleidung

Die Türkei ändert sich und die Welt verändert sich. Das sollte jeden aus den Medien eigentlich bekannt sein. Und genau so ändert sich die Mode und die Kultur. Chic ist die neue Devise, Chic und bunt. Wenn es irgendwie osmanisch aussieht oder sein könnte gibt es extra Punkte.

Die Türkei wird versuchen sich mittelfristig als islamische Führungsmacht zu etablieren. Dazu gehört, dass sie eine „islamische Kulturrevolution“ beginnt. Viele wissen das nicht aber nach 1921 war sogar im Gespräch, das Christentum zur Staatsreligion zu erklären, bis man sich doch für den Islam entschied.

Genau dieses Pendel schlägt jetzt wieder zurück und am Ende wird alles ein wenig osmanischer und viel islamischer sein. Einen Punkt möchte ich am Schluss noch anführen. Den schwarzen Ganzkörpermantel will niemand haben, nicht mal die Menschen aus Sultan Ahmet.

Noch ein kurzes Lookbook, mit moderner islamischer Kleidung für jeden Wochentag, wie du sie zusammenstellen kannst und bei H&M, Primark oder anderen findest.

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